„Die Digitalisierung erobert nun die Eventbranche und zwar mit Vollgas.“

Interview mit Susanne Schulze-Bahr zur Corona-Krise in der Eventbranche

Susanne Schulze-Bahr ist Inhaberin und Geschäftsführerin der audience communication GmbH. Seit mittlerweile 25 Jahren steuert Frau Schulze-Bahr die Eventagentur mit außergewöhnlicher Livekommunikation erfolgreich durch große und kleine Krisen. Ihre Leistungen wurden mit ihrer Aufnahme in die ICJ mice „Hall of Fame“ geehrt. In diesem Jahr feiert audience communication das 25-jährige Jubiläum. Zeit für eine Skizze zu den Bewegungen in der Eventbranche. In diesem Interview entwirft Susanne Schulze-Bahr Pläne für den Restart der Eventbranche nach der Corona-Krise und spricht über kreative Wege in Zeiten des Corona-Shutdowns.

Deutschlands Veranstaltungsbranche droht der Kollaps. Abgesagte Messen, Events, Großveranstaltungen – jetzt sogar die Absage des Münchner Oktoberfests – viele Unternehmen und Freiberufler sind auf Hilfen des Staates angewiesen. Und das gerade im Moment der wohlverdienten 25-Jahr Feier von audience. Wie gehen Sie mit der Krise um? 

Susanne Schulze Bahr: So ein Jubiläum ist ein großartiger Moment, um innezuhalten, um sich der Erfolge, begleitenden Menschen und neuen Challenges bewusst zu werden, da fließen aktuelle Überlegungen natürlich auch mit ein. Ich kenne das Eventgeschäft nun schon seit über 25 Jahren. Da gab es immer mal wieder Krisen, aus denen wir uns emporarbeiten mussten. Natürlich ist die weltweite Corona Krise eine Dimension für sich. Vor allem, weil es um Menschenleben geht. Darum begrüße ich auch Entscheidungen, wie das Oktoberfest abzusagen – auch wenn es uns wirtschaftlich trifft. Zum Glück habe ich schon weit vor Corona Maßnahmen ergriffen, audience auf eine breitere, moderne Basis zu stellen. 

Was darf man sich darunter vorstellen? 

Susanne Schulze Bahr: Wir haben uns überlegt, wie wir den Grundgedanken von Events in andere Geschäftsfelder transportieren könnten. Im Sinne von „gemeinsam mehr bewegen, Kreativität erleben, gemeinsame Werte leben – mit allen Sinnen und erlebter Sinnhaftigkeit“. Darum haben wir einen eigenen Coworking Space gegründet. „Das Atelier“ steht für alles, was wir auch mit unseren Events transportieren wollen. Jetzt in Corona Zeiten ist „Das Atelier“ in Holzkirchen vor allem eine ausgezeichnete Alternative zum Home Office/Home Schooling-Wahnsinn, der viele Eltern sehr belastet. Bei uns herrscht Ruhe und kreative Arbeitsstimmung – selbstverständlich unter Wahrung von social distancing und strengen Hygienemaßnahmen. Das kommt gut an. 2 

Und wie gehen Sie als Eventagentur mit Absagen um? 

Susanne Schulze Bahr: Was uns zugutekommt, ist, dass wir eine kleine, feine Agentur sind, mit einer exzellent eingespielten Kernmannschaft und einem hervorragenden Netzwerk. Deshalb habe ich auch bewusst keine Kurzarbeit angemeldet. Meine Mitarbeiter sind voll im Einsatz. Unser Leitsatz war seit jeher: „Kreativität ist keine Frage des Geldes.“ Heute kann ich sagen: Diese Kreativität rettet uns auch jetzt. Denn als die ersten Absagen von Kundenseite aufkamen, haben wir sofort digitale Lösungen entwickelt. Damit konnten wir unsere Kunden beeindrucken und ihnen Wege aufzeigen, wo andere vor der Situation kapitulierten. Geht nicht, gab es bei uns nie. Wenn es auf normalem Wege nicht geht, dann finden wir im Team eben einen anderen. 

Sie veranstalten digitale Events? Wo bleibt da die Emotionalität in der Live-Kommunikation, die Sie sich ja auch stark auf die Fahne schreiben? 

Susanne Schulze Bahr: Ein guter Punkt. Diese Frage haben sich unsere Kunden auch gestellt. Die Lösung ist der perfekte Mix aus analogem Erleben, digitalem Transfer, exzellenter Logistik und Organisation sowie einer gehörigen Portion Pragmatismus – sprich Machbarkeit. Wir waren einfach rasend schnell und nach wie vor steht dabei der Mensch im Mittelpunkt unseres Handelns. Das Ergebnis ist top. Wir bringen das sinnliche Eventerleben, die Freude daran, die Emotion nach Hause – garantiert virenfrei. Die Livekommunikation, der Austausch oder die One-to-One-Beratung bzw. Schulungen etc. laufen dann digital ab. 

Digitale Events planen jetzt viele Agenturen, so hat man zumindest den Eindruck. 

Susanne Schulze Bahr: Der Unterschied ist nur, dass wir nicht mehr planen müssen, sondern damit bereits sehr erfolgreich in die Umsetzung gegangen sind. Dieses Konzept hat schon viele Kunden überzeugt – die Nachfragen häufen sich. Denn anders als die Medien einem suggerieren, steht die Welt ganz und gar nicht still – höchsten Kopf. Das Bedürfnis mit Kunden, dem Team und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben, das ist aktuell für die Firmen wichtiger denn je. Außerdem war es schon immer unsere Aufgabe, passende Locations für Veranstaltungen zu finden. Das haben wir jetzt auch getan. Die Location sind jetzt eben Home Offices, unsere individualisierten Eventstudios und das Internet. Ich kann nur sagen: Die Digitalisierung hat nun auch die Eventbranche erreicht, und zwar mit Vollgas! 

Vielen Dank für dieses Gespräch und die besten Wünsche zum Jubiläum!